7 Tipps wie Du Deine Angst vorm Englisch sprechen überwindest

Geht uns das allen so? Im Urlaub sitzen wir an einem Tisch, es kommen Fremde dazu… Und wir müssen Englisch sprechen. Au weia, da sagen wir doch lieber mal nichts oder ganz wenig. Hier findest Du Tipps, wie Du diese Hemmungen, eine Fremdsprache zu sprechen, überwindest.

Geht Dir das auch so?

Im Büro wird der neue Lieferant herumgeführt, er spricht Englisch, und wir eigentlich auch. Doch so plötzlich fällt uns nichts mehr ein. Ü B E R H A U P T nichts.
Dieser Effekt ist übrigens bekannt: Sprachbarriere! Und obwohl wir alle (oder fast alle) in der Schule eine Fremdsprache gelernt haben, konnten wir die Scheu, sie zu sprechen, oft nie ganz überwinden.

Ich kenne eine Professorin an der Hochschule, sie lehrt Englisch und Französisch. Sie kennt natürlich die „Sprachbarriere“, die Hemmungen, die Blockaden.

Die Pädagogin löst sie, indem sie mit ihren Studenten am Abend etwas trinken geht. Und mit Trinken meint sie wirklich Alkohol. Denn so ein Glas Rotwein löst die Zunge, auch die englische oder französische.
Nun kann ich hier nicht allen Ernstes empfehlen, zur Flasche zu greifen. Vermutlich hilft das „Glas Rotwein“, die Empfehlung der Professorin nur kurzfristig und um überhaupt mal in Schwung zu kommen.
Doch wir suchen langfristige und dauerhafte Lösungen.

So war es bei mir

Hier erzähle ich von mir, die persönliche Geschichte meiner Sprachbarriere.
Diesen Absatz kannst Du auch überspringen. Bei der nächsten Überschrift „So habe ich die Barriere beim Sprechen von Fremdsprachen überwunden“ geht es weiter mit den Tipps.
Zurück zu meinem „Fall“.

Also, ich bin echt nicht sprachbegabt. In der Schule habe ich Englisch in der 11. Klasse abgelegt. Und im Abitur in Französisch 1 (in Worten: einen) Punkt bekommen, also eine 5 minus. Ich war auch nicht interessiert, gut Englisch oder Französisch zu sprechen. Ich war jahrzehntelang zufrieden, dass ich ordentlich Deutsch kann, ist ja eine so  schöne reichhaltige Sprache. Und dann wurde der Verlag, in dem ich arbeite, an eine französische Firma verkauft. Ich dachte immer noch, dass ich mit meinem Deutsch durchkomme, schließlich agieren wir auf dem deutschen Markt und machen deutsche Produkte. Aber?
Falsch gedacht.

Plötzlich musste ich meinen Job, den Verlag und unsere deutschen Zeitschirften erklären. Und weil die französischen Chefs kein Deutsch sprechen (sie sind ja die Chefs !) musste ich das wenigstens in Englisch tun. Ich ging zu einem Privatlehrer und schaffte mir in ein paar Wochen die wichtigsten Vokabeln und Sätze drauf.
Doch es wurde immer anspruchsvoller und an Französisch führte schließlich kein Weg mehr vorbei, wenn ich meinen Job behalten wollte.
Also besuchte ich einen Kurs, sah französische Filme an (und verstand kein Wort außer „merde“), kaufte mir Lehrbücher, irgendwie war ich aber immer halbherzig dabei. Setzte immer mal wieder für ein paar Wochen aus. Und ich war frustriert („Hätte uns doch lieber eine amerikanische Firma gekauft…“). Meine schlimmste Erfahrung war, dass ich bei einem französischen Chef mal einen französischen Satz sagte, und er verbesserte mich. Folge? Ich habe weiterhin ein Jahr lang kein Französisch gesprochen… Doch der Moment kam, dass ich meine Barriere und meinen Widerwillen überwinden konnte. Wie? Lies selbst:

So überwindest Du die Barriere beim Sprechen von Fremdsprachen

1. Was ist Deine Vision?

Warum möchtest Du eine Fremdsprache sprechen? Was ist Deine Motivation?
Zum Beispiel Urlaubsreisen. Das wäre schon toll, an der Rezeption im Hotel fließend nach dem Strand fragen zu können. Oder im Meeting aus dem Stand seine Ideen auf Englisch präsentieren zu können. Oder in der Bewerbung ehrlich schreiben zu können: Englisch? Verhandlungssicher. Oder hast Du – wie es bei mir war – gar keine andere Wahl, eine Fremdsprache zu sprechen?
Werde Dir klar, warum es für Dich toll wäre, eine Fremdsprache zu beherrschen. Eine fremde Sprache zu lernen ist echt eine Herausforderung. Eigentlich lernt man sie ein Leben lang. Aber – es ist auch eine totale Erweiterung des eigenen Horizonts, bestimmt  weißt Du das sowieso …

2. Kein Stress!

In der Fremdsprache zu sprechen bereitet uns allen zunächst puren Stress. Wir haben Angst, Fehler zu machen, oder nicht verstanden zu werden, oder uns zu blamieren. Schluss damit! Ja keinen Stress. Denn Stress lässt uns frustriert zurück.
Und statt Stress? Da atmen wir erst mal tief durch. Einatmen, ausatmen.
Wir denken uns: Kein Stress. Englisch sprechen zu können, ist schön. (Mehr Generelles über den positiven Umgang mit Stress, findest Du hier.)

3. Suche die positive Seite!

Für mich war eine Zeitlang jedes Wort in Französisch die pure Frustration. Ach, schon wieder dieses vermaledeite Französisch, das lerne ich sowieso nie.
Bis ich den Spieß umgedreht habe und mir verordnet habe, sofort anzufangen zu lächeln, wenn ich Französisch hörte. Nicht freiwillig natürlich, sondern auf Kommando.
Ich habe mir verordnet, zu lächeln, wenn es um die Fremdsprache ging. Französisch sollte „eine Bereicherung für mein Leben“ sein.
Ich habe an meine Vision gedacht, durch Frankreich zu reisen, hier und da mit interessanten Menschen zu sprechen und viel Neues aus einer anderen Kultur zu erfahren. Meine zweite Vision: mich am Konferenztisch ziemlich flüssig unterhalten zu können.
Also: lenke Deine Emotionen um, von dem frustrierten Satz: „das lerne ich nie“ hin zu „bald werde ich noch besser sprechen und verstehen“.
Nimm jedes Wort, das Du in der fremden Sprache verstehst als ein Gold-Nugget, à la „super, ich habe etwas verstanden“.

Wie Du Dich selbst am besten motivierst, liest Du hier!

4. Üben und trainieren!

a) Für Dich allein

Üben heißt die Praxis, die sich darauf richtet, etwas besser zu können. Üben heißt auch: wiederholen. Und zwar etliche Male, bis das neue Können sitzt.
Zum Üben gehören auch die Erfahrung von Enttäuschungen, Irritationen und Frustration. (Immer wieder erstaunlich, Kinder zu beobachten, die mit hoher ‚Fehler- und Frustrationstoleranz‘ etwas üben, sie lassen sich nicht so schnell entmutigen. Nehmen wir uns daran ein Beispiel ;).

Nun, was und wie üben wir, um die Sprachbarriere im Fremdsprachen-Gebrauch zu überwinden?
Zum Start: Du suchst Dir 5 Sätze in der Fremdsprache und sprichst sie. Jeden Tag, mehrere Male. Und zwar allein. Unter der Dusche, im Auto, wo immer Du allein bist. Der Sinn der Übung besteht darin, dass Du Dich selbst in der neuen Sprache hörst, und dass Du Dich an die eigene Aussprache gewöhnst.

Du kannst Dir die 5 Sätze aus einem Deiner Sprachbücher zusammensuchen, auf Webseiten oder bei Youtube:

Für Englisch, z.B. hier: https://www.youtube.com/watch?v=eWDo8R_QOI8

Oder für Französisch: https://www.youtube.com/watch?v=c0iqOtRWKiI&list=PL2153AA5E4F035326

Versuche einfach, so ähnlich wie die Youtuber zu sprechen, also nachahmen und nachmachen!
Und jetzt ab zum Üben, los geht’s! (Im Handel gibt es übrigens nette Sachen, die Dich bei Fremdsprachen-lernen unterstützen, ich finde z.B. Stickers sehr nett.)

b) Laut lesen

Schnapp Dir einen Text in Deiner Fremdsprache (z. B. Englisch in der New York Times: https://www.nytimes.com oder Französisch in der Le Monde: http://www.lemonde.fr ). Jeden Tag fünf Minuten laut lesen, das bringt Dich echt richtig voran.

c) Mit anderen

Die nächste Stufe ist, sich Mitstreiter zu suchen. In der Familie, im Team der Kollegen, etc. Frage mal herum.
Mit anderen Deutschen eine Fremdsprache zu sprechen, ist zunächst ein bisschen „strange“, ein wenig seltsam. Doch mehr Menschen als man glaubt, haben das gleiche Problem und würden gerne ihre eigene Sprachbarriere überwinden. Vielleicht kommt jemandem in Deinem Umfeld Deine Frage gerade recht.

Spielerisch?
Gute Sparringspartner sind auch oft die eigenen Kinder/Enkel/Cousinen etc., die gerade in der Schule Englisch oder eine andere Fremdsprache lernen.
Macht mal ein Sprachspiel: Am Tisch zusammensetzen, jeder schreibt den Namen eines Prominenten auf einen gelben Klebezettel und klebt ihm dem Nächsten auf die Stirn. Jetzt wird in der Fremdsprache gefragt, wer man ist. „You are a man?“ „Yes“. You live in the USA?“ No. …
Beim ersten Nein, kommt der Nächste dran. Es wird solange gespielt, bis der Prominente erraten ist.

5. Such Dir einen Tandempartner(-in)!

Dank Internet können wir einen Sprach-Tandem-Partner finden. Sieh mal in Deiner Stadt/Deiner Umgebung nach. Jeden Tag kommen Leute aus fremden Ländern bei uns an. Sie möchten hier studieren oder arbeiten. Und sie möchten ihr Deutsch verbessern. Bei Google eingeben: Facebook, Sprachtandem und Deine Stadt (z.B. Tandempartner, Frankfurt).

Ich habe, by the way, meinen Sprachtandem-Partner hier gefunden: www.erstenachhilfe.de. Wenn Du die Seite gefunden hast, sieh am besten immer wieder mal rein. Und frage dann beherzt an. Scheu Dich nicht, auch jüngere Leute zu fragen. (Im Laufe des Lebens werden es übrigens immer mehr Menschen, die jünger sind ;))
Ein Sprachtandem funktioniert so: Ihr beiden trefft Euch, z. B. in einem Café. Und Ihr sprecht die Hälfte der Zeit Deine „Zielsprache“, also z.B. Spanisch. Die andere Hälfte der Zeit die „Zielsprache“ des anderen, also Deutsch.
Tandems können auch so organisiert sein, dass jeder nur in seiner Zielsprache spricht, Du also in z.B. Englisch, der andere nur Deutsch.
Und wie lange dauert eine …

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… Verabredung? Nach Vereinbarung. Ich bin meist nach 90 Minuten so erschöpft, dass es genug ist. Ein Sprachtandem macht man mindestens einmal die Woche.

Übrigens, mein Tandempartner ist inzwischen zurück nach Frankreich gezogen. Doch mit den paar Jahren haben wir uns angefreundet und bleiben weiter in Kontakt. Unsere deutsch-französischen Tandems machen wir weiterhin jeden Sonntag Abend. Wie? Mit Skype. Da ist Technik richtig gut!!

6. Verstehen ist wichtiger als sprechen!

Lerne auch die Fremdsprache zu verstehen. Die allermeisten Leute – so auch Deine Gesprächspartner – möchten sprechen und verstanden werden. Du selbst musst also gar nicht so viel sprechen.

Dein Hör-Verständnis kannst Du gut mit Podcasts oder Radio-Sendungen trainieren.

Ich höre gern aktuelle Nachrichten-Sendungen in Englisch oder Französisch. Denn die aktuelle Nachrichten-Lage auf der Welt kennt man, und dann sind die Worte in der Fremdsprache leichter zu verstehen.

7. Bleibe entspannt und bleibe dran!

Das Wichtigste beim Fremdsprache sprechen ist: Bleibe entspannt und bleibe am Ball. Bei einem großen Projekt kommt es darauf an, geduldig zu sein. Wenn Du Dich erinnern könntest, wie Du Deine Muttersprache gelernt hast, wüsstest Du, dass das nicht in ein paar Wochen gelingen kann. Als Baby und Kleinkind hört man seine Muttersprache viele Monate lang, bevor man selbst losplappert. Auch damals gab es frustrierende Situationen. Und doch hast Du schließlich Deine Muttersprache gelernt. Und Du hast gelernt, mit anderen in Deiner Muttersprache zu sprechen. Zuversicht ist angesagt. „Ich werde die Fremdsprache mit der Zeit besser und besser sprechen und ich werde die Sprach-Barriere mit der Zeit überwinden!“ Das ist jetzt Dein Mantra.

(Extra-Tipp: Wenn Du gerade besonders frustriert bist, weil nichts vorangeht, nimm Deinen allerersten Sparchkurs (CD oder Buch) und fang an zu lernen. Du kannst alles? Na, also! Alles was Du hörst oder liest, war für Dich einmal neu und unbekannt. Wenn Du mal für eine kleine Zeit zurückgehst, schöpfst Du Selbstvertrauen. Damit merkst Du, dass Du schon viele Fortschritte gemacht hast. )

Entspannt bleiben, immer wieder sich selbst motivieren und der 3. wichtige Baustein? Ist Dein Durchhaltevermögen.

Was ist eigentlich Durchhaltevermögen genau? Es ist die Kunst, längere Zeit an einem Ziel zu arbeiten und weiter zu machen, auch wenn es schwierig wird. Oder wenn es langweilig wird, wenn Widerstände kommen. Durchhaltevermögen ist tatsächlich das, was langfristig Erfolg bringt. Also: Bleibe dran!  (Hier gibt’s 8 Tipps, wie Du an Deinem Ziel dranbleibst.). Ich halte Dir die Daumen!

Eine Fremdsprachen-Barriere zu überwinden ist ähnlich jeder Hemmschwelle, die uns im Leben begegnet. Deshalb zeige ich Dir hier, wie Du andere Hemmschwellen überwinden kannst.

Und hier kommt die Zusammenfassung des Beitrags, ein  „Spickzettel“ für Dich, um Fremdsprachen-Barrieren zu überwinden:

  1. Deine Vision überlegen, warum Du eine Fremdsprache sprechen möchtest
  2. Kein Stress, bleibe super entspannt, lächle wenn Du Worte in „Deiner“ Fremdsprache hörst oder sprichst
  3. Für sich allein sprechen: 5 bestimmte Sätze
  4. Übe und trainiere: a) Für Dich allein b) Laut lesen c) Mit anderen
  5. Suche Dir einen Sprach-Tandem-Partner(-in)
  6. Verstehen ist wichtiger als sprechen
  7. Bleibe dran, mach weiter – trotz aller Frust-Erlebnisse, und bleibe geduldig. Eine Fremdsprache zu lernen und dann auch anzuwenden dauert ein wenig – ist dann aber umso schöner!

Wie geht es Dir mit Fremdsprachen? Ich freue mich auf Deine Erfahrungen. Du kannst sie hier in die Kommentare schreiben!

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