Mit Ayurveda durch schwierige Zeiten, Interview mit Expertin B. Sidhu

Frau Sidhu strahlt Gelassenheit aus

Mutig-werden.de: Liebe Frau Sidhu, In Ihrem Buch „Every Day Ayurveda“ erklären Sie die wichtigsten Bausteine der indischen Heillehre Ayurveda. Im 2. Teil finden wir einen sehr praktischen Wochenplan zum Umsetzen. Wie kamen Sie auf diese schöne Idee?

Balvinder Sidhu: In meiner Ayurveda-Praxis ( www.kaya-veda.de ) begleite und berate ich seit über 30 Jahren Klienten mit den unterschiedlichsten Anliegen. Immer wieder stelle ich dabei fest, dass die Menschen den dringenden Wunsch verspüren, mehr für ihre Gesundheit zu tun, aber oft einfach nicht wissen, wie sie das – vor allem im Hinblick auf ihren ohnehin schon vollen Alltag – hinbekommen. Mit dem Wochenplan in meinem Buch möchte ich den Menschen diesen ersten Schritt, den Einstieg in ihr gesünderes Leben mit Ayurveda, erleichtern. Und ich möchte sie ermutigen, jetzt direkt zu starten.

Die Krisen- und Corona-Zeit, in der wir gerade leben, empfinden wir als unsicher, instabil und beängstigend. Wie finden wir Sicherheit?

Stabilität bedeutet Sicherheit. Da uns die aktuellen äußeren Gegebenheiten durch Krisen, Kriege und Corona diese Stabilität nicht geben, ist es immens wichtig, in uns selbst stabil zu sein. Mehr denn je profitieren wir jetzt von einem ausgeglichenen Geist und einer ausgeglichenen Seele. Ayurveda hat ganz wundervolle „Instrumente“, um diese Balance zu erreichen und zu bewahren. Ich denke da an Meditation und Yoga, aber auch an ayurvedische Kräuter wie Brahmi, die unseren Geist stärken. In EVERY DAY AYURVEDA stelle ich eine Reihe praktischer Übungen vor und gebe Empfehlungen, wie wir von der Kraft der ayurvedischen Kräuter ganz einfach profitieren können.

Welche mentale Einstellung empfehlen Sie uns in unsicheren Zeiten?

Für den Körper:
Damit unser Körper auf Optimalniveau arbeiten kann, braucht er unsere Unterstützung. Gerade in unsicheren Zeiten sammeln sich eine Menge Toxine und Schlacken im Körper. Befreien wir ihn davon! Im Ayurveda empfehlen wir grundsätzlich, ein- bis zweimal pro Jahr zu entschlacken. Darüber hinaus können wir aber auch täglich etwas für unseren Körper tun, indem wir z. B. warmes Ingwerwasser trinken oder unsere täglichen Mahlzeiten mit Ayurveda-Kräutern aufpeppen. (Ingwerwasser: ein daumengroßes Stück Ingwer in dünne Scheiben schneiden, mit 1 l kochendem Wasser übergießen, in die Thermoskanne und über den Tag verteilt trinken.)

Für die Seele:
Für unsere Seele gilt: Lass los, was dir nicht guttut! Das ist sicher nicht immer ganz einfach. Doch auch hierfür gibt es leicht umsetzbare Lösungen und Übungen wie Gedankenreisen oder Atemmeditationen.

Für den Geist:
Gerade in Ausnahmesituationen, wie wir sie aktuell erleben, ist es wichtig, den Geist strukturiert und aufgeräumt zu halten. Schnell bekommen wir sonst das Gefühl, „dass uns alles über den Kopf wächst“. Wir verlieren den Halt. Ich lege meinen Klienten immer ans Herz, ein 5-Minuten-Tagebuch zu führen. In diesem notieren sie täglich, was sie den Tag über beschäftigt hat. Mit dem Niederschreiben dieser Gedanken, schließen sie bewusst mit diesen Dingen ab.

Mit welchem Lebensmotto leben Sie … (gleich geht der Text weiter)

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… zur Zeit, welcher Spruch, welche Weisheit hängt über Ihrem Schreibtisch (oder in Ihrem Kopf)?

Buddha hat einmal gesagt:

„Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen“.

Diese Weisheit verinnerliche ich mir jeden Morgen bereits beim Aufstehen. In einer kleinen Meditation mache ich mir bewusst, wie groß mein Glück ist. In meinem Leben gibt es so viele Dinge, für die ich dankbar bin – und diese führe ich mir vor Augen. So haben schlechte Gedanken und Gefühle, die von außen kommen, gar keine Chance, in mein Inneres zu dringen. Versuchen Sie es doch selbst einmal!

Wie viel Patientin*innen kommen jeden Tag zu Ihnen?

Wir haben seit fast 30 Jahren einen regen Zulauf. Viele unserer Klienten und Klientinnen kommen auch aus dem Ausland zu uns. Bereits seit längerem bieten wir auch Beratungen per Videochat und Telefon an. Durch die aktuellen Gegebenheiten, haben sich viele Termine natürlich dorthin verschoben. Und das hat durchaus auch positive Effekte! Ich stelle fest, dass viele Klientinnen und Klienten viel ruhiger und entspannter in unseren Gesprächen sind. Sie haben keine (teils weite) Anreise hinter sich und genießen die zusätzliche Ruhe und Sicherheit, die Ihnen die eigenen Räume bei dem Gespräch geben. Sie sehen, auch auf den ersten Blick widrige Umstände, können wir mit dem richtigen Blick auf die Dinge, durchaus positiv bewerten.

Und wie können Sie ihnen helfen?

Meine Aufgabe als Ayurveda-Therapeutin ist es, die Menschen auf dem für sie neuen, ayurvedischen Weg zu ganzheitlicher Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden zu begleiten. Wir haben Klient*innen mit den unterschiedlichsten Symptomen und Beschwerden. Das geht von Verdauungs- und Schlafstörungen, über Stresssymtome, Wechseljahrsbeschwerden und Gewichtsprobleme bis hin zu Haarausfall und Problemen mit der Haut. Bei unserem ersten Termin finde ich mit unterschiedlichen Diagnosetechniken und in einem ausführlichen, offenen Gespräch heraus, wo die Ursachen für dies Beschwerden liegen. Denn das hat meine jahrzehntelange Erfahrung deutlich gezeigt: Es gibt nicht DIE EINE Ursache für die Symptome. Es sind (fast) immer mehrere Ungleichgewichte im Organismus zu finden. Nur wenn wir sie alle kennen, können wir sie auch beseitigen. Und nur wenn wir alle beseitigt haben, ist der Weg frei für ein langfristig energievolles, gesundes und glückliches Leben.

Auf meiner Website www.mutig-werden.de gebe ich vor allem Rat für Frauen im Beruf. Und ich weiß, dass Sie viele Ratsuchenden in Fragen des (drohenden) Burnouts behandeln und beraten. Welche Anzeichen zeigen uns, dass wir auf dem Weg zum Burnout sind?

Es gibt viele Symptome, die auf ein drohendes Burnout hindeuten können. Zum einen sind es, ich nenne sie mal die offensichtlicheren Symptome, wie Erschöpfung, ein Gefühl des Ausgebranntseins, der Verlust von Freude an Dingen, die man immer gern gemacht hat, eine allgemeine Antriebslosigkeit. Auf der anderen Seite können aber auch Beschwerden wie Schlafstörungen, Hautprobleme, Haarausfall oder Verdauungsbeschwerden Anzeichen für ein Burnout sein. Pauschal lässt sich das nicht sagen. Ich möchte nur allen empfehlen, die sich – warum auch immer – nicht wohl in ihrer Haut fühlen, zu handeln. Lassen Sie sich nicht mit Aussagen wie „Das ist halt so, finden Sie sich damit ab.“ abspeisen. Sie kennen sich und Ihren Körper am besten. Sie wissen, wann etwas nicht in Ordnung ist. Und Sie allein haben es in der Hand, das zu ändern.

Was ist dann zu tun? Kurzfristig, langfristig?

Das Wichtigste, das wir tun müssen, wenn wir merken, dass „etwas nicht stimmt“, ist zu handeln. Nur was WIR ändern, ändert sich. Erschöpfungszustände sind ein klares Zeichen, dass unser Organismus ein „Reset“ braucht. Überlastung aus ayurvedischer Sicht bedeutet nicht, dass wir uns schlicht zu viel aufgehalst haben. Es bedeutet vielmehr, dass wir uns mit Dingen beschäftigen, die uns nicht guttun und die uns dadurch die Energie rauben. Kurzfristig empfehle ich bei Erschöpfungszuständen immer eine ganzheitliche ayurvedische Entschlackung, um den Organismus auf allen Ebenen – Körper, Geist und Seele – erst einmal gründlich von Altlasten zu befreien und uns wieder in Balance zu bringen. Um eine erneute „Schieflage“ von Körper, Geist und Seele zu verhindern, helfen oft ayurvedische Aufbau-Kräuter sowie kleine Änderungen in den Gewohnheiten und 10 Minuten täglich, die wir für uns und unser Wohlbefinden reservieren, um z. B. zu Meditieren oder auch nur Spazieren zugehen.

Was machen Sie konkret,

um nicht selbst in die Burnout-Falle zu geraten? Schließlich führen Sie ein Unternehmen mit mehreren Mitarbeiterinnen, schreiben Bücher und behandeln viele Menschen?

Ich habe schon seit ich denken kann eine ganze Reihe feste Routinen in meinem Alltag eingebaut. Dazu gehört, dass ich meinen Tag mit unterschiedlichen ayurvedischen Körperpflegerituale, wie z. B. einer Zungenreinigung beginne. Anschließend mache ich mir in einer Dankbarkeitsmeditation bewusst, welche wundervollen Schätze mein Leben für mich bereithält. So hat schlechte Laune erst gar keine Chance! Ayurvedische Gewürze und Kräuter gehören zudem fest zu meinem täglichen Speiseplan. Abends schließe ich bewusst mit den Themen des Tages ab, indem ich sie in ein kleines Tagebuch notiere.

Wie halten Sie die Verbindung zu sich selbst?

Wie oben bereits erwähnt, gönne ich mir mindestens einmal täglich eine kleine Meditation. Das Gefühl des „Bei-mir-Seins“, das mir diese Auszeit gibt, spüre ich auch über den Tag immer wieder bewusst nach.

Welche Weisheit aus dem Ayurveda ist für Sie die Wichtigste?

Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen. (Buddha)

Gibt es ein Lieblings-Rezept aus der Ayurveda-Küche?

Ich koche nur äußerst selten nach Rezept. Es gibt so viele wundervolle Nahrungsmittel und ich liebe es, diese immer wieder neu zu kombinieren und zu entdecken. Den Extra-Pepp für die Geschmacksnerven und die Gesundheit geben – egal, was ich koche – natürlich immer ayurvedische Gewürze und Kräuter.

Ich möchte alle Leser*innen einladen, sich selbst auf den Ayurveda-Weg zu machen. Ayurveda hält für jeden Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen und Zielen wundervolle, individuelle Lösungen bereit. Machen Sie den ersten Schritt!

Herzlichen  Dank, liebe Frau Sidhu, dass Sie unseren Leser*innen (und mir) Ihre Zeit und Ihre Weisheit geschenkt haben!!

2 Comments
  1. A la bonheur!
    Wieder einmal ein sehr interessanter und hilfreicher Beitrag.
    Werde ihn weiter empfehlen. Freu mich schon auf den nächsten.
    Liebe Grüße,
    Bina

  2. Denkanstöße aus aller Welt.
    Nachdem ich dieses Land am liebsten so schnell wie möglich verlassen wollte, erhielt ich von Eingeweihten einige Kommentare, die ich mir hinter die Ohren geschrieben habe.
    Ein Freund aus Palästina: „Bist du verrückt, deine Wohnung zu verkaufen?! Du hast 20 Jahre dafür gearbeitet. Bist du verrückt?!!“
    Ein Freund aus Syrien: „Gabriele, manchmal muss man einfach eine zeitlang durchhalten. Versprichst du mir das?!“

    Herzlichen Dank für das Interview.
    Gabriele B.

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